Münsters Heimatverein "Niederdeutsches Münster"

60  Jahre Vereinigung Niederdeutsches Münster

Am Samstag, den 4. Juli 1953 berichtete die Münstersche Zeitung: „Am Freitagabend wurde in einer von Rechtsanwalt Dr. Deckwitz geleiteten Sitzung im Krameramtshaus ein Heimatverein für die Stadt Münster gegründet, und zwar unter der Bezeichnung »Niederdeutsches Münster«, wie es vor dem Kriege in Münster schon bestanden hatte. Dr. Deckwitz betonte die Notwendigkeit einer solchen Gründung, um den Verkehrsverein zu entlasten. Oberbürgermeister Dr. Peus begrüßte die Initiative, die gegen eine Vermassung sich richte und die Tradition pflegen wolle. Weitere Referenten gingen auf die Ziele der neuen Vereinigung ein, „die das Brauchtum der Stadt im Wissen um die normgebende Bedeutung Münsters für das weite Münsterland pflegen und fortbilden“ solle.

Die Gründungspersönlichkeiten

Zu dem Gründungstreffen hatten eingeladen Werner Albsmeier, Josef Bergenthal, Theo Breider, Frau Coppenrath, Ludwig Humborg, Franz Lehmköster, Albert Mazotti, Gustav Merten, Pinkus Müller, Dr. Hans Thiekötter, Wilhelm Vernekohl, Johann Wibbelt, Frau Wilken und 18 andere. Zu den ersten zählten unter vielen anderen auch Heinrich Benteler, Dr. Engelbert Freisenhausen, Matthias Lückertz, Hans Riepenhausen und Bernhard Hasenkamp, der 48 Jahre hindurch der Geschäftsführer und die Seele der Vereinigung hinter den Kulissen wurde. Zum Ersten Vorsitzenden wurde Oberstudienrat Dr. Ludwig Humborg vom Ratsgymnasium gewählt, der, alle zwei Jahre neu bestätigt, dieses Amt bis zu seinem Tode im Jahre 1972 inne hatte. Als er im Jahre 1955 mit Erreichen der Altersgrenze pensioniert wurde, konnte er umso mehr Zeit den Veranstaltungen seines geliebten «Niederdeutschen Münsters» widmen.

Erste Aktivitäten

Von Anfang an waren Lichtbildervorträge zur Geschichte Münsters und seiner Umgebung eine der herausragenden Aktivitäten der Vereinigung. Sie fanden im Kellergeschoss der Stadtsparkasse statt, im Vorraum zum Tresorraum. Es war umständlich, dass nach Schalterschluss alle Stühle aus der Kassenhalle im Erdgeschoss in den Keller gebracht und nach der Veranstaltung wieder nach oben geschafft werden mussten. Deshalb wählte man schließlich einen Raum im Erdgeschoss. In diesem Raum wurde eine Art Kasten eingebaut, der Form einer Spardose der damaligen Zeit nachempfunden, in dem der Projektor stand. Um den Zuschauern Gelegenheit zu geben, für die Zwecke der Vereinigung zu spenden, war ein Schlitz angebracht, in den man Geldbeträge einwerfen konnte. Der Kasten bekam daher den Namen „Spardose“. Später wurden die Vorträge ins Krameramtshaus verlegt; oft fanden sie auch in Zusammenarbeit mit der Volkshochschule im Auditorium maximum der Universität statt. Gerade auch die Vorträge von Ludwig Humborg stießen wegen seiner kenntnisreichen und lebendigen Art des Vortragens auf so viel Zuspruch, dass einige mehrfach wiederholt werden mussten.

Stadtrundgänge

Eine weitere beliebte Aktivität der Vereinigung waren die Stadtrundgänge, die gelegentlich sonntags um 11 Uhr angeboten wurden. Ludwig Humborg hatte sich die Geschichte jedes Hauses intensiv erarbeitet und vermochte sein reiches Wissen anschaulich zu vermitteln. Die Termine und Ziele wurden in der Zeitung angekündigt, und Humborg brauchte sich nie über eine zu kleine Teilnehmerzahl zu beklagen.

Hinaus in Münsters Umland

Auf Tagesfahrten wurde gemäß der Satzung »durch Studienfahrten die Teilnehmer… .. an die engere und weitere Heimat Westfalens als Teil des niederdeutschen Raumes heranzuführen«, die nähere Umgebung Münsters erwandert. Etwas später wurden Busfahrten in die Umgebung angeboten. Da in jenen Jahren kaum jemand ein Auto hatte, kam die Vereinigung mit diesen Fahrten einem großen Bedürfnis nach. – Die Fahrten wurden, wie man so sagte, mit Rucksackverpflegung der Teilnehmer organisiert, um Zeit zu sparen, aber vor allem, um die Kosten so gering wie möglich zu halten, so dass auch finanziell weniger gut Gestellte, auch Familien und Ehepaare die Fahrten mitmachen konnten. Probleme konnten immer wieder auftreten, wenn Mitreisende dringend eine „Gesundheitspause“ benötigten, oder eine Kaffeepause gewünscht wurde. „Wir machen eine Exkursion, keine Kaffeefahrt“ konnte Ludwig Humborg dann schon mal sagen. Er hatte aber auch genügend Selbstironie, um zu Beginn einer Fahrt zu verkünden: „Meine Frau hat mir gesagt: »Ludwig, du musst auch eine Kaffeepause machen«!“; und die machte er dann natürlich auch.

Mehrtägige Exkursionen

Bald wurden auch mehrtägige Exkursionen in entferntere Regionen unternommen, die weitesten gingen bis nach Franken, Wien und bis Tirol und dauerten im Einzelfall sogar mehr als eine Woche. Die Nachtquartiere wurden so preiswert wie möglich gewählt, einfache Gasthöfe, Gästehäuser von Klöstern, in den Ferien leerstehende Internate und ähnliche Unterbringungsmöglichkeiten. – Der Andrang zu den Fahrten war meist so groß, dass die Leute schon morgens ab 6 Uhr in Menge vor der Tür des Zigarrenladens Finke am Prinzipalmarkt anstanden, zum Teil mit Klappstühlen versehen, um auf jeden Fall mitzukommen. Die Fahrten waren meist schon um 10 Uhr morgens ausgebucht.

Stiftung von Denkmälern durch das Niederdeutsche Münster

Im Laufe der Jahrzehnte hat die Vereinigung Niederdeutsches Münster das Stadtbild mit vielen Denkmälern geschmückt. Stellvertretend für viele andere seien hier genannt die Nikolaus-Statue von Rudolf Breilmann am Spiekerhof an der Ecke des Aufganges zum Horsteberg; das Altum-Denkmal an der Kreuzschanze, eine Eule aus Baumberger Sandstein, zur Erinnerung an den großen Münsteraner Naturkundler Bernhard Altum, von Arnold Schlick geschaffen; oder der Spökenkieker von Breilmann auf dem Mühlenhof.

Bronzetafeln für Münsters Baudenkmäler

Um die geschichtliche Erinnerung lebendig zu erhalten, beschloss die Vereinigung im „Jahr des Europäischen Denkmalschutzes“ 1975, ausgewählte historische Orte und Gebäude in der Stadt Münster mit informativen, dezent gestalteten Bronzetafeln zu versehen. Diese Tafeln stießen bei Bewohnern und Besuchern der Stadt auf große Zustimmung. Die Aktion wurde einmal als „kulturelle Bürgerinitiative“ bezeichnet, was sie in der Tat ja auch war. Heute sind 68 solche Hinweistafeln an Gebäuden, Straßenzügen, Denkmälern usw. angebracht, wo sie auf historische Bezüge hinweisen. Diese Bronzetafeln haben sich gegenüber allen anderen Arten von historischen Hinweistafeln im Laufe der Zeit so gut bewährt, dass man ähnliche Tafeln heute auch in Orten in der Umgebung Münsters finden kann, von denen diese Art der Erinnerung kopiert wurde. Unter dem Titel „Baudenkmale in Münster“ ist als Nr. 27 in der Reihe „Westfälische Kunststätten“ ein Bildheft erschienen, das mit dem Text der Bronzetafeln alle durch solche gekennzeichneten Gebäude abbildet.

… über den Dächern der Stadt

Als Stiftung an die Stadt wurde am 30. September 2001 das Glockenspiel im Stadthausturm am Prinzipalmarkt übergeben, das auf Initiative und mit finanzieller Unterstützung des Uhrenhauses Gebr. Nonhoff, zusammen mit dem Stadtheimatverein und mit Unterstützung der Kulturstiftung der Stadtsparkasse Münster geschaffen wurde. Seitdem erfreuen seine täglich um 11, 15 und 19 Uhr erklingenden Melodien die Zuhörer. Weitere Aktivitäten waren die Renovierung des Hamann-Grabes auf dem alten Überwasser-Friedhof (Wilhelms-Straße), die Herausgabe und Unterstützung verschiedener CD’s und Bücher zu Themen der Stadtgeschichte und städtischer Kultur.

… und die Zukunft?

In ihren besten Zeiten hatte die Vereinigung Niederdeutsches Münster über 500 Mitglieder, so dass das Programm gut finanziert werden konnten. Leider ist durch die Altersentwicklung die Mitgliederzahl in den letzten Jahren stark zurückgegangen. Durch die Umbenennung in „Stadtheimatverein“, der die Vereinigung von Anfang an sein wollte und war, soll jenen die Schwellenangst genommen werden, die immer noch glauben, man müsse Platt sprechen können, um dem Verein beitreten zu können. Zusammen mit den Mitgliedern hofft auch der Vorstand, dass die in jedem Jahr  geplanten Veranstaltungen den Stadtheimatverein bei den Bürgern und Bürgerinnen der Stadt wieder stärker ins Bewusstsein bringen wird und viele Münsteraner zum Beitritt bewegen. So wird es möglich sein, die für die Mitglieder und für die Stadt Münster so bereichernde Tätigkeit des Vereins auch in kommenden Jahrzehnten fortzuführen.

Otto-Ehrenfried Selle

Vorstand

Hans-Peter Boer
Vorsitzender

Heriburgstr. 17
48301 Nottuln
Tel.: 02502 – 25270
Mobil: 0177 8951692
E-Mail hpboer@ubg-nottuln.de

Otto-Ehrenfried Selle
Stellvertr. Vorsitzender

Julius-Leber-Str. 25
48151 Münster
Tel.: 0251 – 79 69 60
E-Mail ottoeselle@yahoo.de

Christine Schedensack
Geschäftsführung

Hünenburg 13
48165 Münster-Hiltrup
Tel.: 0171 – 4298136
E-Mail schedensack@aol.com

Manfred Schneider
Projektleiter

Zumsandestr. 20
48145 Münster
Tel.: 0251 – 63051
E-Mail schneiderleben@t-online.de